Aktuelles
Information
...aus der Wissenschaft
...zum Thema Gesundheit
Handy-Strahlung
gesund wohnen
Elektrosmog
Zitate
... viel Rechtliches
Comunity
Kontakt
verwandte Links
   
Jeder 10. leidet unter Elektrosmog

THOMAS HÖDLMOSER, Salzburger Nachrichten, 04.03.2003


SALZBURG (SN). Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen, Nervosität, Depressionen: Das sind einige der Symptome, über die "elektrosensible" Menschen klagen. In Salzburg schließen sich Betroffene jetzt zusammen.

Die Initiatorin der "Selbsthilfegruppe Elektrosmog-Salzburg", Erika Gabriel, leidet eigenen Angaben zufolge selbst an den Auswirkungen durch Elektrosmog. Mit der Zahl der Handymasten hätten Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel und andere Symptome derart zugenommen, dass sie ihre Salzburger Wohnung verkaufen musste. In Bad Reichenhall fand Gabriel eine weitgehend elektrosmogfreie Wohnung. Strom fließt nur, wenn sie ihn zum Kochen braucht. Auch den Kühlschrank schaltet Gabriel nur ein, wenn sie außer Haus geht. "Am Abend sitze ich bei Kerzenlicht in der Wohnung." Jede Fahrt im Zug oder im Bus, wo permanent Handys läuten, sei eine Belastung.

Über Elektrosmog-Belastung klagen auch Josef und Iris Schmidt aus Taxham. Ihre Wohnung liegt auf gleicher Höhe mit einer nur wenige Meter entfernt auf dem Nachbardach montierten Handy-Dachantenne. "Das Ärgste sind die Schlafprobleme", sagt Iris Schmidt. Die Lebensqualität sei seit der Montage des Handy-Mastes vor einem Jahr drastisch gesunken.

So offen sprechen aber nur wenige. "In Bürgerversammlungen habe ich oft Leute kennen gelernt, die über solche Beschwerden klagen", sagt Gabriel. Die meisten wollten aber anonym bleiben: "Viele haben Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren." Zudem würden Elektrosensible mit ihrem Leiden oft nicht ernst genommen. "Man stößt auf Unverständnis."

Die neue Selbsthilfegruppe will ein Bewusstsein schaffen, dass die Belastung durch elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder die Ursache vielfältiger Beschwerden sein kann. Die Initiatoren wollen Ärzte finden, die sich mit den Auswirkungen von Elektrosmog beschäftigen. An jedem ersten Montag im Monat ist ein Treffen im Brunauer-Zentrum geplant.

Elektrosmog-Belastung geht nicht nur von Handys oder Handy-Masten aus, sondern auch von Radioweckern, Computern, E-Herd und Schnurlostelefon. Mit dem Handy-Boom sind die Klagen stark gestiegen.

"Wir haben pro Woche 25 bis 40 Anfragen", sagt Herbert Reiter. Sein Unternehmen, die Abtenauer Messtechnikfirma Reiter, hat sich auf die Messung elektrischer, magnetischer und elektromagnetischer Felder spezialisiert. "Wir schätzen, dass bis zu zehn Prozent der Bevölkerung elektrosensibel sind." Die Zahl der Personen, die unter Elektrosmog leiden, ohne es zu wissen, sei noch "viel höher".

Das Amt für Umweltmedizin führte eine Befragung in Köstendorf durch. 19 Prozent der Bevölkerung klagten über Belastungen durch "Elektrosmog". Bei Umweltmediziner Gerd Oberfeld sind 150 Fälle bekannt. "Das ist nur die Spitze eines Eisbergs", betont Oberfeld.

SN-INFO: Selbsthilfegruppe Elektrosmog Salzburg, Tel. 0662/88 89-258, www.selbsthilfe-Salzburg.at

© SN


Die Umweltmediziner des Landes planen eine groß angelegte Studie, um zu überprüfen, ob ein Zusammenhang zwischen Krebs und Risikofaktoren wie Handystrahlung oder Magnetfeldern besteht. Testpersonen sind 250 Salzburger, die in den vergangenen 4 Jahren an Leukämie, Gehirntumoren oder Lymphdrüsenkrebs erkrankt sind sowie 250 gesunde Kontrollpersonen. In Schlaf- und Arbeitsräumen sollen Einflüsse durch Radiowecker, Stromanschlüsse oder Handymastern gemessen werden. Die Studio kostet 500.000 Euro. Begonnen werde, sobald die Finanzierung geklärt sei, sagt Umweltmediziner Gerd Oberfeld. Neu ist, dass das Zusammenwirken vieler Risikofaktoren wie Magnetfelder, Radioaktivität oder Pestizide untersucht wird.