SALZBURG (SN). Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen, Nervosität,
Depressionen: Das sind einige der Symptome, über die "elektrosensible" Menschen
klagen. In Salzburg schließen sich Betroffene jetzt zusammen.
Die Initiatorin der "Selbsthilfegruppe Elektrosmog-Salzburg", Erika
Gabriel, leidet eigenen Angaben zufolge selbst an den Auswirkungen durch
Elektrosmog. Mit der Zahl der Handymasten hätten Herzrhythmusstörungen,
Kopfschmerzen, Schwindel und andere Symptome derart zugenommen, dass sie ihre
Salzburger Wohnung verkaufen musste. In Bad Reichenhall fand Gabriel eine
weitgehend elektrosmogfreie Wohnung. Strom fließt nur, wenn sie ihn zum Kochen
braucht. Auch den Kühlschrank schaltet Gabriel nur ein, wenn sie außer Haus
geht. "Am Abend sitze ich bei Kerzenlicht in der Wohnung." Jede Fahrt im Zug
oder im Bus, wo permanent Handys läuten, sei eine Belastung.
Über Elektrosmog-Belastung klagen auch Josef und Iris Schmidt aus Taxham.
Ihre Wohnung liegt auf gleicher Höhe mit einer nur wenige Meter entfernt auf dem
Nachbardach montierten Handy-Dachantenne. "Das Ärgste sind die Schlafprobleme",
sagt Iris Schmidt. Die Lebensqualität sei seit der Montage des Handy-Mastes vor
einem Jahr drastisch gesunken.
So offen sprechen aber nur wenige. "In Bürgerversammlungen habe ich oft Leute
kennen gelernt, die über solche Beschwerden klagen", sagt Gabriel. Die meisten
wollten aber anonym bleiben: "Viele haben Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren."
Zudem würden Elektrosensible mit ihrem Leiden oft nicht ernst genommen. "Man
stößt auf Unverständnis."
Die neue Selbsthilfegruppe will ein Bewusstsein schaffen, dass die Belastung
durch elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder die Ursache
vielfältiger Beschwerden sein kann. Die Initiatoren wollen Ärzte finden, die
sich mit den Auswirkungen von Elektrosmog beschäftigen. An jedem ersten Montag
im Monat ist ein Treffen im Brunauer-Zentrum geplant.
Elektrosmog-Belastung geht nicht nur von Handys oder Handy-Masten aus,
sondern auch von Radioweckern, Computern, E-Herd und Schnurlostelefon. Mit dem
Handy-Boom sind die Klagen stark gestiegen.
"Wir haben pro Woche 25 bis 40 Anfragen", sagt Herbert Reiter. Sein
Unternehmen, die Abtenauer Messtechnikfirma Reiter, hat sich auf die Messung
elektrischer, magnetischer und elektromagnetischer Felder spezialisiert. "Wir
schätzen, dass bis zu zehn Prozent der Bevölkerung elektrosensibel sind." Die
Zahl der Personen, die unter Elektrosmog leiden, ohne es zu wissen, sei noch
"viel höher".
Das Amt für Umweltmedizin führte eine Befragung in Köstendorf durch. 19
Prozent der Bevölkerung klagten über Belastungen durch "Elektrosmog". Bei
Umweltmediziner Gerd Oberfeld sind 150 Fälle bekannt. "Das ist nur die Spitze
eines Eisbergs", betont Oberfeld.
SN-INFO: Selbsthilfegruppe Elektrosmog Salzburg, Tel. 0662/88 89-258, www.selbsthilfe-Salzburg.at
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