Elektrosmog - das unterschätzte Risiko

Dr. Gerd Oberfeld

Referent für Umweltmedizin der Österreichischen Ärztekammer und Umweltmediziner beim Land Salzburg

Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen belegen seit Jahrzehnten, dass neben Stromschlägen und Hitzewirkungen eine Vielzahl weiterer biologischer und gesundheitlicher Folgen des Elektrosmogs bestehen. Die meisten Ärzte und bis vor wenigen Jahren ich selbst, wussten davon nichts. Ausgelöst durch die Diskussionen um Auswirkungen von Mobilfunksendern, Mobiltelefonen und DECT-Schnurlostelefonen wird nun nach und nach bewusst, wie dieses Thema von den maßgeblichen Kreisen der Industrie heruntergespielt wird. 

Eine zentrale Drehscheibe bei dieser systematischen Fehlleitung der Öffentlichkeit ist das WHO-EMF-Projekt. Dieses Projekt gibt Empfehlungen für die Einschätzung der gesundheitlichen Auswirkungen des Elektrosmogs, die bis dato nur die oben erwähnten Stromschläge und Hitzewirkungen berücksichtigen. Diese Auswirkungen treten jedoch erst bei sehr hohen Elektrosmogwerten auf. 

Der Leiter des WHO-EMF-Projektes fährt nach China und Russland, um diese Staaten zur Aufgabe ihrer Elektrosmoggrenzwerte zu bewegen, die für Hochfrequenzstrahlung dort bei 100 mW/m² liegen. Stattdessen empfiehlt er diesen Ländern die Übernahme der WHO-Grenzwerte - bis zu 10.000 mW/m². Beinahe skurrile Züge bekommt dieses zentrale Gesundheitsproblem, wenn die WHO-Generaldirektorin, Gro Harlem Brundtland, am 9. März 2002 öffentlich erklärt, dass sie nach reiflicher Überprüfung zu dem Schluss gekommen ist, dass sie elektrosensibel ist ... 

Immer mehr Menschen klagen über zum Teil schwerwiegende Gesundheitsprobleme, die sie Mobilfunksendeanlagen zuschreiben. Dazu zählen Kurzzeitgedächtnisstörungen, Gefühl einer innere Unruhe, Herz-Kreislaufbeschwerden, Antriebslosigkeit, Energiemangel, Schlafstörungen etc.. Diese Beschwerden decken sich mit den wissenschaftlichen Untersuchungen zu hochfrequenten Strahlen, wie sie etwa bei der „Internationalen Konferenz Situierung von Mobilfunksendern – Wissenschaft & Öffentliche Gesundheit“ am 7. und 8. Juni 2000 in Salzburg vorgestellt wurden. 
Warum findet sich in der offiziellen vom Österreichischen Verkehrsministerium verteilten WHO-Broschüre über elektromagnetische Felder folgender Satz? „Keine Normungsbehörde hat Expositionsrichtlinien mit dem Ziel erlassen, vor langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen, wie einem möglichen Krebsrisiko, zu schützen.“ Die Antwort lautet: Weil dieser Satz den Tatsachen entspricht. Die Grenzwertvorstellungen der WHO schützen bei Mobilfunkstrahlung nur vor Kurzzeiteffekten durch Wärme und sonst eben vor nichts.

Auf Grund intensiver Befassung und einer Vielzahl eigener Untersuchungen ist für mich die Gesundheitsschädigung durch Mobilfunksendeanlagen belegt. Der Salzburger Vorsorgewert 1998 von 1 mW/m² (außen) war ein erster Schritt der Risikoreduktion. Im Februar 2002 wurde von der Landessanitätsdirektion des Landes Salzburg eine Reduktion auf 0,01 mW/m²(außen) sowie ein Wert von 1 µW/m² (innen) auf Basis erster empirischer Daten vorgeschlagen.

Der Wunsch nach einer flächendeckenden sg. deep-in-house Versorgung, das heißt Mobilfunkempfang in jedem Keller und jedem tief im Hausinneren gelegenen Raum, ist mit der heutigen GSM-Technologie und einem vorbeugenden Gesundheitsschutz nicht vereinbar. 

Die Zeit ist reif für Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit und Rahmenbedingungen für einen Umbau der Mobilfunknetze auf ein "Handynetz light" und den Verzicht auf DECT-Schnurlostelefone.

 

 

>> Information zu Schnurlostelefonen nach dem DECT/GAP-Standard

>> Gesund Wohnen – Ohne Elektrosmog

 

Dr. Gerd Oberfeld, Referent für Umweltmedizin der Österreichischen Ärztekammer und Umweltmediziner beim Land Salzburg, organisierte die „Internationale Konferenz Situierung von Mobilfunksendern am 7.und 8. Juni 2000 in Salzburg, http://ww.salzburg.gv.at/celltower